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Mai 2001

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DVD RAM Disks und eCS, OS/2

Von Lothar Frommhold ©April 2001, Übersetzung: Heribert Bieler

Beschreibbare und wiederbeschreibbare Compact Disks (CD) und die notwendigen Laufwerke, um mit Ihnen zu arbeiten, sind mittlerweile weit verbreitet. Hervorragende Software ist kommerziell von RSJ verfügbar und auch freie Software (CDRecord) kann fertig heruntergeladen werden. Allerdings ist die CD-Kapazität auf ca. 650 MB begrenzt und das ist in Zeiten von Multi-GigaByte-Festplatten für Backups, Archivierung von Grafikdateien usw. oft nicht ausreichend. Ich entschloss mich daher, mir die beschreibbaren DVD-Formate anzusehen, die unter eCS lauffähig sein könnten.

Gegenwärtig kann man sich einige der DVD-RAM-Laufwerke so halbwegs leisten. Versandhändler in den USA bieten Modelle von Panasonic und Hitachi für etwa 550 Dollar und von Creative Labs für etwas mehr als die Hälfte dieses Preises an. Also entschied ich mich, Backups von Grafikdateien zu versuchen und Tages-Backups auf DVDs zu machen. Das DVD-RAM-Format eignet sich besonders für Archivierungsaufgaben. Es benutzt phasenwechselnde optische Beschreibungstechniken, von denen es heißt, die Lebensdauer liege in der Größenordnung von hundert Jahren - damit ist sie einigen CD-RW-Medien und sogar Bändern weit überlegen. Es gibt mehrere andere DVD-Aufnahmetechniken, jedoch kosten passende Laufwerke, die für diese konkurrierenden Techniken auf dem Markt verfügbar sind, ein Vielfaches des oben genannten Betrages und deshalb habe ich diese Alternativen schlicht ignoriert. Nach meinem Eindruck bieten sie keine entscheidenden Vorteile für meinen aufgezeigten Bedarf. DVD-RAMs bieten zur Zeit ca. 2,6 GB Speicherkapazität pro Seite, doppelseitige DVDs, die etwa 5,2 GB speichern, sind verfügbar und DVDs, die eine drei- bis vierfache Kapazität haben, sind von mehreren Herstellern für die nahe Zukunft angekündigt.

Eine vollständige DVD/UDF-Unterstützung - das bedeutet: Formatierung sowie Lese- und Schreibzugriff von und auf Digital Versatile Disks (DVD) RAM Datendisks auf der Basis des Universal Disk-Formates (UDF) - ist bei Warp Server for e-Business (WSeB bzw. Aurora) im Lieferumfang enthalten. Für Software Choice-Abonnenten sind Aktualisierungen der Version 1.0 des installierbaren UDF-Systems verfügbar (z.B. UDF Version 1.5) und ein Update auf die Version 2.0 ist für die nahe Zukunft angekündigt. Ein gewisser Umfang an DVD/UDF-Unterstützung für den Lese-Zugriff und das Beschreiben passend vorformatierter Medien ist im Merlin Convenience Paket (MCP) (Thin-Client-Version) und eComStation (eCS; Vorschau 1) enthalten, jedoch nicht für das Formatieren solcher Medien. Die mit MCP und eCS, Preview 1, ausgelieferte UDF-Version ist auf Versionsstand 1.0.

Installation der UDF-Unterstützung

Alle DVD-RAM-Disks, die ich derzeit von normalen PC-Anbietern kaufen konnte, waren unformatiert. Mit anderen Worten: Die Möglichkeit, DAVDs zu beschreiben, wird nur WSeB-Anwendern geboten, aber weder Anwendern des OS/2-Client noch der eCS. Eine leicht angegrautes Programm zum Formatieren von DVD-RAM-Disks, das sehr leicht auf einem Client installiert werden kann, liegt auf Hobbes (UDFFILE.ZIP). Das Auspacken des Paketes UDFFILE in einem selbstgewählten Unterverzeichnis ergibt 4 Dateien: DVDINST.EXE, OS2CDROM.DMD, UDF.IFS, und README.TXT. Zusätzlich werden 14 sprachenspezifische Unterverzeichnisse entpackt, die jeweils eine UUDF.DLL Datei enthalten.

Die Datei  UDFFILE.ZIP von Hobbes enthält also neben der Installationsdatei DVDINST.EXE und der README.TXT die drei Dateien, die Sie brauchen: OS2CDROM.DMD, UDF.IFS und UUDF.DLL. Bei den Paketen MCP und eComStation (Vorschau 1) werden Dateien mit genau diesen Dateinamen mitgeliefert, aber zumindest einige - am deutlichsten OS2CDROM.DMD - unterscheiden sich von denjenigen aus der Zip-Datei von Hobbes in Größe und Dateidatum. Mein System stürzt ab, wenn ich versuche, die DVD zu formatieren - außer, wenn ich die Hobbes-Dateien aktiviert habe. (Die Installation mit DVDINST sichert die Originaldateien mit der Erweiterung .SAV und setzt die Dateien aus dem Hobbes-Paket an deren Stelle).

Von einer Kommandozeile aus wechseln Sie in das Verzeichnis, welches die 4 Dateien enthält und geben

DVDINST
ein. Die Installation ist nach einigen Sekunden abgeschlossen. Dieses Verzeichnis enthält nun eine Log-Datei. Sie müssen den PC herunterfahren und neu starten.

Die Datei README.TXT von Hobbes'  UDFFILE.ZIP listet die DVD-RAM-Laufwerke auf, die unterstützt werden ¹. Ich konnte keines von den Angegebenen zu einem vernünftigen Preis erwerben, aber das von mir gekaufte Hitachi-Laufwerk hat auch funktioniert (und die anderen oben erwähnten funktionieren möglicherweise auch).

Wenn Sie den Computer neu starten, vergewissern Sie sich, daß das DVD-RAM-Laufwerk angeschlossen und betriebsbereit ist. Ich stecke eine neue, beschreibbare DVD-RAM-Disk in das Laufwerk und benutze das externe SCSI Hitachi GF2050 DVD-RAM-Laufwerk mit einer Adaptec 29160-UW SCSI Karte, an der auch andere externe Geräte angeschlossen sind (ein Scanner und ein CD-Brenner). Klicken Sie auf das DVD-Laufwerk-Icon und verriegeln Sie zunächst das Laufwerk, indem Sie im Laufwerksmenü auf lock disk klicken. Dann geben Sie auf einer Kommandozeile

FORMAT d: /FS:UDF
ein, wobei d: das DVD-RAM-Laufwerk ist. Dieses Kommando formatiert innerhalb von einigen Sekunden die Disk im UDF-Format. Benutzen Sie die DVD wie jede andere Disk auch: schreiben und lesen ohne weiteres Getue - das ist alles! Vergessen Sie nicht auf Unlock disk des Laufwerkmenüs zu klicken, wenn Sie die DVD herausnehmen oder (bei doppelseitigen DVD) umdrehen wollen.

Lesen (und auch Schreiben) ist mit diesem UDFFILE-Paket eine langsame Angelegenheit. Mit meinem Hitachi schreibe ich gegenwärtig mit einer Datenrate von 100 KB/s und dies zu einer Zeit, da kommerzielle UDF-Treiber für Windows das Vielfache an Geschwindigkeit liefern. Der UDF-Versionsstand ist der gleiche wie der des MCP und der eCS, nämlich 1.0. Für WSeB und SWC (Server) Abonnenten sind neuere Versionen des installierbaren Dateisystems (UDF Version 1.5 und bald Version 2.0) verfügbar, die erheblich bessere Schreib- und Lesegeschwindigkeiten haben sollten.

Bin ich zufrieden mit meinen täglichen Back-Ups und den Archivierungsoptionen einer DVD RAM?

Die Antwort ist ein qualifiziertes "JA". Die Arbeit verläuft fehlerfrei, auch wenn die Schreibgeschwindigkeit mit UDF 1.0 sehr langsam ist (100 KB/s). Das führt dazu, daß das Backup gemacht werden muss, wenn die tägliche Zahlenquetscherei erledigt ist (also in den frühmorgendlichen Stunden). Die Lesegeschwindigkeiten scheinen auch etwas langsam zu sein.

Ich musste zwar zum Lesen, Formatieren und Beschreiben von DVD RAMs keine neue Software kaufen, aber doch (leider) feststellen, daß die kommerziell verfügbare Software für das Windows-Betriebssystem um Größenordnungen überlegen ist in bezug auf die Lese- und Schreibgeschwindigkeiten.

Die DVD-RAM-Disk ist vollständig in das eCS/MCP-System integriert und wird angesprochen wie jede andere Platte des Computers. Programme wie der File Commander (ein Norton-Clone) und Standardkommandos wie Kopieren/Verschieben/Löschen arbeiten genauso, wie Sie es von ihnen erwarten. DVD-RAMs sind für mich ganz sicher eine hervorragende Speicherungstechnik, obwohl ich mir bewußt bin, daß es hierbei noch ein enormes Verbesserungspotential gibt. Die Windows-Treiber (die für ungefähr $75 zu haben sind von beispielsweise Software Architects mit UDF V.2.0) sind wesentlich besser in Sachen Geschwindigkeit, wenn nicht auch in anderen Dingen, außer Sie nutzen die WSeB/Aktualisierungen, die es nicht für MCP und eCS gibt. Aber es gibt immer die Hoffnung, daß IBM (und eCS?) den neuesten Softwarestand, den wir ja alle brauchen, verfügbar macht - vielleicht.



Anmerkung 1: Laut README-Datei des UDFFILE.ZIP werden folgende DVD-Laufwerke unterstützt:

Artikelreferenzen:
UDFFILE.zip auf hobbes: http://hobbes.nmsu.edu/cgi-bin/h-search?key=UDFFILE

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