Der Hexenwald

Ottokar Kernstock

"Bleib, Friedel!" fleht' Wildmeisters Gret',
"Im Wald haust eine Hex'.
Was im Geäst sich blicken läßt,
Versteinert oder wurzelt fest
Im Grund wie ein Waldgewächs."

"Komm' mit, komm' mit und fürcht' dich nit!"
Sprach kosend der Garzun, .
"Im Wald, lieb Kind, da ruht sich's lind.
Zwei'n, die in Treu'n verbunden sind,
Kann keine Hexe was tun."

"O Schau und glaub'! Schon grinst durchs Laub
Das Hirschgespenst aus Stein.
Und das Gerank', wie Birken blank,
Die Körper sind es, weiß und schlank,
Verwunschener Waldfräulein.

Den Weidmann und den Stöberhund,
Gebannt in Strunk und Strauch,
Des Ritters Leib dort in der Eib'
Verhext hat Sie das Zauberweib.
Fort! Sonst verhext sie uns auch."

Der Knab' umschlang das Mägdlein bang -
Da kam die Zauberei:
Es standen stumm, die Welt ringsum
Vergessend, im Waldheiligtum
Wie angewurzelt die zwei.