Es war meist noch Nacht, da warf der Storch den Tau von sich und flog los.
Mitten in der Heide lag ein klarer Pump
, der Bullerborn
geheißen; da ließ er sich nieder.
Die Nebelhexen verjagten sich, als der Adebar
angebraust kam, und als ein heller Wind über die Heide lief und sie beiseite stieß, und
als die Sonne über die Wohld
stieg und sie scharf ansah, da gaben sie das Tanzen über dem Bullerborn auf und machten,
daß sie in das Bruch kamen.
Der Storch ging um den Born herum und nickte mit dem Kopfe. Fische gab es nicht in dem Wasser, dazu
war es zu frisch, und Frösche erst recht nicht, denn dazu war es zu wild. Wer aber lange in den
Born sah, in dem das Wasser immer um und um ging, daß der weiße Sand nur so
mülmte
, der wußte, was der Storch da
suchte, und wenn der Pastor von Lichtelohe es auch einen Heidenschnack nannte, daß der Adebar
aus dem Bullerborn die Seelen für die kleinen Kinder holen sollte, die Bauern wußten das
besser.
Als die Sonne so hoch stand, daß sie just in den Born hineinsehen konnte, nahm der Storch sich
auf und flog über das Bruch und die hohe Heide und die Felder, bis er da war, wo er hergekommen
war, auf dem Hehlenhof, der ganz allein für sich in seinem Hausbusche lag, so daß man vor
lauter Eichen und Hülsen
und
Holderbüschen
, die hinter der
mächtigen Mauer aus Ortsteinen
wuchsen, nichts von ihm sah, als den Herdrauch.
Die Störchin stand auf, als der Storch kam; er aber flog über das Hausdach fort und
ließ sich im Blumengarten hinter dem Wohnhause nieder, wo der Flieder durch den Tau roch und
der Goldregen über den Zaun hing. Er stand zwischen den Buchsbaumrabatten und sah sich um; dann
ging er bis zu der Ecke, wo das Fenster der
Dönze
offen stand.
Das Totenhuhn
, das auf dem
Windbrett
saß und einen Diener über den anderen machte, drehte sich bald den Hals ab, aber es
konnte nicht sehen, was der Adebar da machte, denn er war hinter einem der spitzen
Machangelbüsche
, die rechts und
links vor der Türe standen, kam aber bald wieder heraus, ging bis mitten in den Garten und flog
fort.