Augustus. Archibius. Corn. Gallus. Arius. des Antillus Leiche. Etliche Hauptleuthe. Di Trabanten.
Archibius.
Mord! Mord! großmächt'ger Fürst / dis was auch Mörder schützet /
Altär' und Tempel sind mit Fürsten-Blutt bespritzet:
Der Völcker heilges Recht ist durch di That verletz't /
In dem Antillus Blutt der Römer Schwerdter netzt.
Augustus.
Wi / wo / wenn / und von wem ist dieser Mord begangen?
Archibius.
Es hatte kaum di Stadt di rauhe Post empfangen:
Daß durch Cleopatren ihr Haupt gefallen sei /
Reis't der Soldaten Schaar Gesätz' und Bund entzwei /
Fängt Stadt und Bürger an gewaltsam anzugreiffen /
Di Säulen des Anton durch Stock und Stein zu schleiffen /
Zu forschen auf sein Blutt / ihm Schwerd und Todt zudräun:
Wo sol Antillus hin1) der Noth
sich zu befreyn?
Man siht den jungen Held in Isis Tempel flihen /
Und / als di wüttenden vergebens sich bemühen /
An ihm den Muth zu kühln / da springt der Theodor /
O schwartzer Meuchel-Mord! sein Lehrer selbst hervor;
Entdeckt der grimmen Schaar verräthrisch seinen Fürsten.
Da hemmt kein Heiligthumb di / di nach Blutte dürsten /
Si dringen mit Gewalt nebst dem Verräther ein /
Gleich / must' er und sein Blutt der Götter Opffer sein.
Antillus / als er sich umbringt siht und bestritten /
Umbfängt des Caesars Bild und rufft: Schont euer wütten
Nicht fürstlichen Geblüts; so schont der Götter doch.
Umbsonst! di Bitt' erhitzt / erherbt di Mörder noch.
Man siht den edlen Leib mit Schwerd und Dolch zerkerben /
Das Königliche Blutt das heil'ge Schutz-Bild färben;
Ja Theodor reisst ihm den kostbarn Demant ab /
Für den Cleopatra viel Centner Goldes gab.
Augustus.
Hat dis verdammte Volck den Greuel vorgenommen?
Archibius.
Er wird Antillus Leich' hier bald zuschaun bekommen:
Di ich durch vieles Geld der Mord-schaar kaum entrieß /
Di sich noch ärgern Schimpff's auf ihn verlauten ließ.
Hier kommt si / schaut: wi si mit ihm gebahret haben.
Augustus.
Man wird nichts weniger nach Würden ihn begraben.
Stracks / Hauptmann / forsch't ob man di Thäter finden kan /
Eilt / last den Theodor an's Creutze nageln an;
Geht selbst / umb desto eh di Mörder zu erfahren.
Ihr aber laßt den Orth aufs fleißigste verwahren /
Wo der Cleopatra verweißte Kinder sind;
Verschaffet: daß das Heer nichts feindliches beginnt.
Was aber hat August aus diesem ihm zuschlissen /
Umb: daß Caesarion ist heimlich ausgerissen?
Was reitzt ihn: daß er scheut des Keisers Gnad und Licht?
Dem / der sich uns nicht traut / dem trau'n wir gleichfalls nicht.
Arius.
Den blauen Himmel mahlt mehr nicht als eine
Sonne;2)
So muß ein Keyser sein der Erden Haupt und Wonne.
Augustus.
Wol! wo Regier-sucht ist gewurtzelt einmal ein /
Da muß mit Strumpf und Stiel der Stamm vertilget sein.
Er rühmt sich des Anton
Gefährten3) / Caesars Erben /
Was wird nun rathsam sein?
Arius. Caesarion muß sterben.
Augustus.
Recht! stell't an Gräntz und Port dem falschen Keiser nach.
Sein Todt verleih't uns Ruh / sein Leben Ungemach.
Ist nun das grosse Reich / das di Vernunfft muß stützen /
Daß ein groß Geist
beseeln4) / viel Hände
müssen schützen /
Mit allem wol versehn? So laß't uns unsre Stadt /
Di unsre Gegenwart fürlängst gewünschet hat /
Durch Beuth' und Sieg erfreu'n / und nach dem Bluttvergissen /
Nach Krig- und Bürger-Pest des Janus Tempel schlüssen.
Jedoch / weil wir uns gleich itzt in der Grufft hier schau'n /
Wo Alexander ihm ließ sein Begräbnüs bau'n /
Last uns den / dem sich Glück und Tugend stets
vermählet5)
Dem eine neue Welt zu zwingen hat gefehlet /
Den / dessen grossen Geist der Erden-Kreiß nicht schlooß
Im engen Sarche sehn. Macht Ertzt und Rügel loß.
Hier ligt der grosse Held / von dem August muß lernen:
Der Leib vergeh' in Asch / der Geist steig' an di Sternen /
Für dessen todtem Bild'6) (O
edle Tugends-Art!)
Des Caesars Geist beseelt; das Antlitz schamroth ward /
Di Seele Seufzer ließ. So müß' auch diesem Leben /
Sein ihn vergötternd Ruhm uns Flamm und Flügel geben
Zu gleicher Ehren-höh'. In-des / dafern dein Glantz
Nicht unsern Dinst ausschlägt / nimm diesen Lorber-Krantz /
Den nicht der Zeiten Sturm der Nachwelt Blitz wird tilgen /
Und dieser Krone Gold nebst dieser handvoll Lilgen /
Zum Denckmals-Opffer an.
Arius. Wil nicht auch Fürst August
Di Ptolomeer sehn.
Augustus. Wir hatten hier nur Lust /
Den König zu beehrn. Di solln den Dinst nicht haben /
Mit derer Körper Geist und Nachruhm ward begraben.
Reyen
Der Tiber / des Nilus / der Donau / des Rheins.
Tyber.
Legt nun der Nil di stoltzen Wellen nider?
Und betet er di Tiber an?
Schaut: wi / was dem Verhängnüß ist zu wider /
So seicht' und mirbe wurtzeln kan!
Ob gleich mein Strom nicht tausend Flüß' einschlingt /
Mein Sand nicht Gold / mein Schaum nicht Perlen führet /
Mein Fuß Corall; mein Schilf nicht Zucker bringt;
Ob meine Schooß gleich nicht Rubin gebühret:
So lehret Rom doch: daß ich bin
Des Meeres Haupt / der Flüsse Königin.
Der Tiger und Eufrat sind für mir sanfft und klein /
Und bücken sich für meiner Römer Füssen /
Pactol und Tagus muß beim Reichthumm dürftig sein /
Weil beide mir den Gold-Sand zinsen müssen.
Daß Gangens Jäscht mit Diamanten strahlt /
Der kalte Nord mit schimmernden Kristallen;
Das grüne Meer sich bräunet mit Corallen /
Des Indus Silber-Flutt sich mit Schmaragden mahlt;
Ist ihre Frucht / doch mein Gewinst /
In dem sie wie di Zucker-Bienen /
Zwar Honig sammlen / doch nicht ihnen.
Di edlen Steine stehn der Tiber nur zu Dienst';
Umb meiner Nimfen Hals und Hand /
Und mein belorbert Haupt zu decken /
Di Tyrer-See heckt braune Purper-Schnecken /
Umb nur zu färben an mein Keiserlich Gewand;
Was weigerstu dich denn / O Nil /
Nun Rhodan / Tiger / Phrat und Rhein mir opffern müssen /
Nach dem es selbst der Himmel wil /
Daß du nicht Rom und mir wilst Fuß und Zepter küssen?
Der Nilus.
Wenn Titan steig't aus Thetis blauem Reiche /
Und uns läßt Licht und Tag aufgehn /
Erblassen ja di Sternen nicht zugleiche;
Di grössern bleiben länger stehn.
So / als auch Rom und sein geweyhter
Fluß7) /
Sein güldnes Haupt den Sternen hat verschwistert /
Siht man: daß erst / was klein ist / schwinden muß
Als der gestirn't Eridan wird verdüstert.
Bis nach dem Tiger und Eufrat /
Des Nilus Glantz auch sein Begräbnüs hat.
Jedoch verfinstert mich so sehr nicht Rom und du /
Als des Verhängnüsses gesetzter Schrancken /
Der Himmel selbst trägt Glutt zu meinem Holtzstoß zu:
Für dem der Thron der Götter selbst muß wancken.
Drang nicht mein Haupt sich bis zun Sternen ein /
Und über der Pyramiden Gefülde?
Es räucherte der Mohre meinem Bilde /
Gab meinem Tempel ab Gold / Weirauch / Helffenbein.
Di Ost-Welt bettelte von mir
Den Weitzen / den Egipten bringet /
Wenn mein aufschwellend Strom es tinget /
So bald der Welt ihr Aug' in Löwen tritt herfür.
Allein' ob meiner Thürme Pracht /
Zwar keinen Sonnen-Schatten zeuget /
Noch Dunst und Wolck' aus meinem Strome steiget;
So schaut doch / wie der Neid mich so sehr schatticht macht /
Wie mich di Unglücks-Wolck' umbhüllt /
Wie mich des Keisers Blitz fast gar in Abgrund schläget.
Gedult! wenn es nicht pochens gilt.
Schau! wie der grosse Nil sich für der Tiber läget.
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Nun alle ja zu Sklaven sind gebohren / Was solstu Donau thun? und Rhein? Nein! nein! Rom / das hier oft den Muth verlohren / Wird noch viel Adler bissen ein.8) Daß Phrat und Nil der stoltzen Tiber weicht / So wie sie vor auch Alexandern wichen / Bewegt' uns nicht: daß man sich ihnen gleicht. Wir haben auch di Seegel nicht gestrichen9) / Als dieser grosse Blitz der Welt / Der Erden-Kreiß hat in sein Joch gestell't. Nein! stoltzes Rom! wir schaun schon jene Zeit angehn / Da uns wird ehrn nicht nur ein Kreiß der Erden. Es wird dis unser Mooß voll Diamanten stehn / Das grüne Schilff zu Lorber-Zweigen werden. Wir sehen schon di Sonnen unsrer Flutt / Den Helden-Stamm in Oester-Reich entspringen / Dem nicht nur Rom und Tiber Opffer bringen / Den Leopold / der dem August es gleiche thut. Di itz'ge Welt ist ihm zuklein / Es wird noch eine Welt entstehen / Ihm wird di Sonn nicht untergehen10) / Und Thule wird nicht mehr der Erde Gräntzstein sein. Dis was Columb und Magellan Der andre Tiphys wird entdecken / Wie ferne sich zwei Indien erstrecken / Wird unsers Caesars Haus fußfällig beten an. Wir sehen schon sein siegend Schwerdt / Den Adler für dem Mohnd am Nil und Bospher gläntzen. Kommt / Schwestern / schätzt ihr Tugend wehrt / Helfft sein gekröntes Haupt mit Palm- und Lorbern kräntzen. |
D. T. Q.
Caesaris in multis nomen non expedit esse.
Darauf ihn auch Augustus tödten ließ. Plutarchus in vit. Anton.
p. 460. 461. Sveton. in Oct. c. 17. Dieses des Arii Meinung ist des Aegysthi beim
Senec. in Agamemn. v. 257. gleich: Nec regna socium ferre, nec taedae sciunt.
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Huic Deus ipse loci fluvio Tyberinus amoeno, Populeas inter senior se attollere frondes Visus. eum tenuis glauco velabat amictu Carbasus, & crines umbrosa tegebat arundo. |
Massen ihn daselbst auch Aeneas v. 72 seqq. anrufft:
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Tuque; o Tybri, tu o Genitor cum flumine sancto Accipite Aenean & tandem arcete periclis. Adsis, o tandem, & propius tua Numina firmes. |
Daß auch den Flüssen sein Tempel und Altäre gebaut worden /
erhället ex Tacit. 1. Annal. c. 79. spectandos etiam religiones Sociorum, qui sacra
& Lucos & Aras patriis amnibus dicaverunt: quin ipsum Tiberim nolle prorsus accolis fluviis
orbatum minore gloria fluere. Und ist bei den Geschichtschreibern berühmt / der in der
Egyptischen Stadt Nilus dem Flusse Nilus zu ehren gebaute Tempel.
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- - - - - - - Venient annis Secula seris, quibus Oceanus Vincula rerum laxet, & ingens Pateat Tellus, Tiphysque; novos Detegat Orbes; nec sit Terris Ultima Thule.
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