Der Schröter, die Schnecke
und der Molkendieb


              Ein Schröter, der mit einer Schnecke
Im Schatten einer Weißdornhecke
Spatzieren kroch, gerieth mit ihr
In Streit, und zwar der Hörner wegen.
Kaum trägt ein junger Offizier
So stolz den neuen Troddeldegen
Als Junker Schröter sein Geweih.
Der Hirsch, dem wir am meisten gleichen,
Sprach er, muß, ohne Prahlerey,
Mit seinem Kopfputz meinem weichen:
Er dienet mir, du weist es schon,
Zur Hand, und wie dem Krebs, zur Scheere,
Im Krieg zum Schutz und Trutzgewehre,
Und . . . »Alles gut, mein lieber Sohn!
Und doch möcht ich mit dir nicht tauschen!
Auf meinen Hörnern hat die Macht
Des Zevs zwey Augen angebracht,
Wodurch ich die Gefahr belauschen,
Und die ich, rückt der Feind heran,
Schnell, wie mich selbst verbergen kann.«
So predigte die bunte Schnecke
Ihr Gegenlob. Der Schröter blieb
Bey seinem Kopf. Ein Molkendieb,
Der abgemattet auf der Hecke
Sich niederließ, ward ausersehn,
Zum Schiedsmann in dem Streit zu dienen.
Ich, sprach er mit gelehrten Mienen,
Bin für die Hörner, die man schön
Verbergen kann; nur sind die Augen
Das nicht, was mir daran behagt. –
Wie so? – Weil sie, ins Ohr gesagt,
Für Hörnerträger gar nichts taugen.


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