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Ein Fleischer riss ein Lamm im Schlaf Vom Euter seiner frommen Amme: »Grausamer, ächzt das bange Schaf, Stoß, ungetrennt von meinem Lamme, Auch mir dein Messer in das Herz!« Nein, rief der Mann mit bitterm Scherz, Ich muß dich erst noch fetter machen. »Du mich?« erwiedert, mit dem Schmerz Der Niobe, die arme Mutter: »Das wirst du nicht.« Von nun an aß Sie keinen Halm von ihrem Futter Und trank nicht mehr. Der Fleischer sahs Und trieb sie schon am vierten Tage Zur Würgbank: Lieber schlacht ich dich, Als daß ich dich zum Schinder trage, Sprach er. »Da siehst du's, Wüterich! Versetzt das Schaf mit kalter Seele: Es ist auf Erden kein Tyrann So mächtig, daß er dem befehle, Der sterben will und sterben kann.« |