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Die Bäuerin (tritt ein, redet mit sich selbst und spricht) | |
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Ach, was fang' ich Arme an. Ich hab einen liederlichen Mann, Verdrossen, lässig in allen Dingen, Ich kann ihn aus dem Bett nit bringen, So träg ist er und ganz mistfaul, Und schnarcht die ganze Nacht wie'n Gaul; Ich bat ihn, recht früh aufzusteh'n, Sagt', ich wollt in die Stadt heut' gehn, Möcht' Milch und Eier zur Stadt tragen; Ich stand früh' auf, eh' es wollt' tagen; Daß ich hinein käm in der Früh', Hab' schon gemolken meine Küh', War fertig schon zur Stadt zu geh'n, Mein Narr wollt' drum noch nit aufstehn, Nit wunder's wen, daß ich allein Vor Zorn drob sprang zu einem Stein; Ich will geh'n, ihn dem Schlaf entreißen, Dem faulen Strick noch manches heißen, Daß er dieweil tut's Haus versorgen. | |
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Der Bauer (kommt, gähnt auf, kratzt sich am Kopf und spricht) | |
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Alte, Alte, ein guten Morgen! Was tust du heut' so früh aufstahn? | |
| Die Bäuerin | |
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Kommst endlich in des Teufels Nam', Dacht', du kämst heut' nit aus dem Bett, Um ein Haar ich geweckt dich hätt', Daß deine Schwarten dir gekracht. | |
| Der Bauer | |
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Des hätt' ich mir bald g'nug gelacht. Ei, liebe Gret', 's ist frühe noch, Weil noch kein Hahn und Henn' abflog. Sag' mir, was ich so früh sollt' machen? | |
| Die Bäuerin | |
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Das tust du fauler Lätsch noch fragen? Wär' ich nit, du wärst längst gehangen. Was soll ich nur mit dir anfangen? | |
| Der Bauer | |
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Ei schweig, so arg bin ich doch nit. Geh' bring' viel Geld's vom Markte mit; Dieweilen will ich häuslich sein, Die Stuben fegen und heizen ein, Das kann ich doch sowohl als du. | |
| Die Bäuerin | |
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Setz' auch das Kraut und Fleisch hinzu Und merk', wenn tut der Schultheiß blasen, Daß Küh' und Säu' du mußt auslassen, Damit das Vieh zur Weiden komm'. Sei auch sonst häuslich mir und fromm, Wenn ich vom Markt komm', daß wir essen. | |
| Der Bauer | |
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Der Ding will ich gar keins vergessen, Es soll all's ordentlich geschehen. | |
| Die Bäuerin | |
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Wenn ich heimkomm, werd ich's wohl sehen, Wie du derweil daheim tatst hausen, Warst faul, will ich dein Haar dir zausen. | |
| (Die Bäuerin geht von dannen.) | |
| Der Bauer | |
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Geh' hin, du darfst nicht darum sorgen! Es ist gar früh noch an dem Morgen, Ich will gehn, heizen und zusetzen, Dann meines Unmuts mich ergetzen: Will mich ein Stund' ins Bett noch legen, Bis daß der Schultheiß sich tut regen, Daß ich auslaß mein Säu' und Küh', Weil es noch ist vor Tag und früh. | |
| (Der Bauer geht hinaus, kommt bald wieder und spricht) | |
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Potz Leichnam Angst! ich hab's verschlafen, Wie wird mein Weib mich darob strafen, Wenn's kommt! der Schultheiß hat austrieben, Und mein Vieh ist daheimgeblieben. Ich muß wahrlich mir Mut anessen. Potz Mist, ich hab' des Krauts vergessen, Das strudelt und prudelt bei dem Feuer, Ich muß gehn schau'n die Abenteuer. | |
| (Der Bauer geht hinaus.) | |
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Die Bäuerin (kommt mit der Bürde und spricht) | |
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Nun bin ich nahe bei der Stadt, Wie hält daheim Haus mein Unflat? Denk' wohl, es hat der heillos' Mann, Was ich ihm hieß, kaum halb getan, Wie vormals ist wohl oft geschehen; Ich werd daheim mein' Jammer sehen, Wenn ich schau, wie er Haus gehalten, Ich kann das Glück nur lassen walten, Er wird nit anders bei Lebtagen, Bis ihn der Schelm doch tut erschlagen. Weiß ich am Narr'n nur so zu rächen, Daß ich ein Seidlein Wein's tu zechen In der Stadt, wenn ich tu verkaufen, Will desto flugser gleich neinlaufen, Ich bin nun von dem Tor nit weit, Denk mir, es sei auch höchste Zeit. | |
| (Die Bäuerin trollt davon.) | |
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Der Bauer (kommt, kratzt sich am Kopf und spricht) | |
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O, Herr Gott, wie bin ich ein Koch! Als ich komm vor das Ofenloch, Die ganze Suppe rinnt mir raus, Und hinten sitzt die Katz im Haus Und hat das Fleisch alles vertragen, Der hab' ich gleich die Lend' eing'schlagen; Und als ich nehm' das Kraut zur Hand, So ist es halbseits angebrannt Und gar zu einem Dreck versotten, Das hat mir doch mein Weib verboten. Ich fürcht' fürwahr bei meiner Treuen, Wenn sie heimkommt, sie wird mich bläuen, Jedoch ich mich noch eines freu', Daß Küh' und Kälber und mein' Säu Ich hab' in unsern Garten tan, Darin sie g'nug zu fressen han. Die will ich wieder allzumal Ein jedes tun in seinen Stall, Eh wenn mein Frau kommt aus der Stadt, Dieweil der Mittag her schon gaht. | |
| (Der Bauer geht hinaus, kommt wieder und spricht traurig) | |
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Das schlägt dem Faß den Boden aus! Als ich komm' in den Garten naus Zu meinen guten Viehlein allen, So ist mir's Kalb in Brunnen g'fallen Und tat leider darin ertrinken, Wiewohl mein Weib nach mein Bedünken Mit dem Kalb wollt zum Metzger laufen Und um das Geld ein' Pelz sich kaufen. Das ist nun fehl. Wie soll's mir geh'n? Wie werd' ich mit mein'm Weib bestehn? O, wie wird fluchen sie und scharren! Ich will ihr in dem Haus nit harren, Sie wird mich leichnamübel schlagen. Ach, wie soll ich ankehr'n mein' Sachen, Daß ich ein ander Kalb gewinn'? - Es fällt mir gleich in meinen Sinn, Weil Hühner und Gäns in meinem Haus Aus Eiern doch brüten Junge aus, So sie drob sitzen etlich' Tag', So glaub' ich dann auch, daß man mag Kälber aus Käsen brüten wohl, Besonders die von Maden voll; Hu' das sind's halb lebendig sunst, Was schad's, ob ich versuch' die Kunst? Will gleich die Käs' in Korb nein schütten, Im finstern auf der Dielen brüten, Damit mich niemand sitzen sieht, Mich irr' mach', wenn das Kalb ich brüt'; Und wird dann gar, aus jeder Maden Ein Kalb, so komm' ich wohl zu Gnaden. | |
| (Der Bauer setzt sich in den Korb.) | |
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Die Bäuerin (kommt, brummt vor sich hin und spricht) | |
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Aus der Stadt bin ich heimgekommen, Ich glaub', daß der Teufel mein Mann mitgenommen, Habe nach ihm geschrieen oben und unten, Hab' kein Funken Feuers im Ofen gefunden; Das Fleisch ist hin, der Hafen zerbrochen, Das Kraut verbrannt vor ewigem Kochen, Die Suppen schwimmt im Ofen, o weh! Und wie ich in den Garten seh', Da liegt das eine Kalb ertränkt. Ich glaub', mein Narr hat sich erhängt, Kein Wunder, tät ich mich verfluchen, Ich will geh'n auf der Dielen suchen. | |
| (Die Bäuerin schreit) | |
| Hans! Hans! | |
| (Die Bäuerin sieht ihn im Korb sitzen und spricht) | |
| Du Narr, was machst du auf der Dielen? | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! (Wie eine Gans) | |
| Die Bäuerin | |
| Ich mein, es stechen dich die Grillen. | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! pff! pff! | |
| Die Bäuerin | |
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Wie hast du kocht' o heillos' Schand'! Das Fleisch verschütt', das Kraut verbrannt, Die Katz erschlagen, das Kalb ertränkt, Ich wollte drum, daß du erhängt. | |
| Der Bauer | |
| Zisch! Zisch! pff! pff! | |
| Die Bäuerin | |
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Wie? Willst zum Schaden spotten mein? Ich wollt dir wohl die Lenden dein So weich schlagen als deinen Bauch. Weißt, wie ich dich oft niederstauch? | |
| (sie tut die Erbel hinter sich, geht auf ihn zu. Er schreit) | |
| Ch! ch! pff! pff! | |
| Die Bäuerin | |
| Was machst du in dem Korb, du Narr? | |
| Der Bauer | |
| pff! pff! | |
| Die Bäuerin | |
| Ich muß dich werfen raus wohl gar! | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! pff! pff! | |
| Die Bäuerin | |
| Flugs, troll' dich, gib den Säu'n zu essen! | |
| Der Bauer | |
| Zisch! zisch! | |
| Die Bäuerin | |
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Wie tust? Bist du Narr besessen? Halt, halt, ich hol' den Pfarrer her, Daß er den Teufel raus beschwör. | |
| Der Bauer | |
| Pff! pff! ch! ch! | |
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(Die Bäuerin geht dahin. Der Bauer steht auf, tut einen Käs' heraus, schaut ihn an, legt ihn wieder hinein, setzt sich.) | |