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Die Bäuerin (bringt den Pfaffen und spricht) | |
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O lieber Herr, es ist mein' Bitt', Wollt helfen mir und retten mit. Ich hab' gemarktet in der Stadt; So ich nun heimkomm wieder spat, Ins Haus mit Schnaufen und mit Schwitzen, So find ich meinen Mann da sitzen In einem Korb hie auf der Dielen, Treibt so seltsam Ekel und Grillen. Was ich ihn frag', sprech': Lieber Hans! Schreit er mich an wie ein' Brutgans: Pff! pff! pff! pff! und tut auch schnattern, Mit Armen wie mit Flügeln flattern, Kann ihm kein Wörtlein abgewinnen, Ich fürcht', er sei mir ganz von Sinnen, Ich bitt' euch, helft ihm wiederum, Daß er zu seinen Sinnen kumm. | |
| Der Pfaff | |
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Mein Gret', mir will da fast bedenken, Er sich wohl tat voll Branntweins tränken, Derselbe steigt ihm in den Kopf. | |
| Die Bäuerin | |
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Den trinkt er nit, der heillos' Tropf, Den ungebrannt'n tut er saufen, Des' kann er oft bald überlaufen. | |
| Der Pfaff | |
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Nun will ich geh'n zu deinem Mann, Mit gutem Wort ihn sprechen an. Glück zu, mein lieber Nachbar Hans! | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! pff! pff! | |
| Der Pfaff | |
| Sieh, pfeufft mich an wie eine Gans? | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! pff! pff! | |
| Der Pfaff | |
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Sag' an, was fehlt dir in dem Hirn, Daß du also tust phantasiern? | |
| Der Bauer | |
| Pff! pff! | |
| Der Pfaff | |
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Mein Nachbar Hans, das taugt gar nicht; Was fehlt dir doch? Du mir bericht'? | |
| Der Bauer | |
| Pff! pff! | |
| Der Pfaff | |
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Sag', hat dich ein Gespenst erschreckt? Was hat vielleicht dich sonst bewegt, Daß du treibst so seltsam Gebähr? | |
| Der Bauer | |
| Pff! pff! | |
| Der Pfaff | |
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Kannst nit du reden, deut doch her, Ob du vielleicht durch Zauberei Bezaubert, oder wie ihm sei. Mich dünkt, seist deiner Sinn' beraubt. Ist dem also, so neig' dein Haupt! | |
| Der Bauer | |
| Pff! pff! | |
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Der Pfaff (wendet sich zum Weib und spricht) | |
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Gret', ich kann anders nicht vermessen, Als daß dein Mann sei gar besessen. | |
| Die Bäuerin | |
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Mein Herr, so helft ihm durch Beschwörung! Will euch darum tun ein' Verehrung. | |
| Der Pfaff | |
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Gret', du sagst wohl: beschwör' mein' Mann, Wiewohl ich zwar beschwören kann, So tu ich's doch wahrlich nit gern, Fürcht', er wird mir ein' Platten scher'n. Wie blickt, tu' sein Gesicht beschaun ich, Dein Mann so tückisch, wetterlaunisch, Sei Auge gleißt wie das der Katzen. So er etwan auf mich tät platzen Und tät mir an dem Leibe schaden, So ließt mich schwimmen du und baden; Der Teufel ach! ist grausam stark. | |
| Die Bäuerin | |
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Ach, Herr, es wird nit sein so arg; Beschwört ihn und seid sorgenfrei, Ich will euch stehen treulich bei. He, Hans, du wirst dich doch nit wehr'n? Der Pfarrer will dich nur beschwör'n. | |
| Der Bauer | |
| Ch! Ch! pff! pff! | |
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Der Pfaff (zieht sein Buch herfür und liest) | |
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Ich beschwör auf diesen Tag, Du Teufel, bei aller Bettlers Plag', Bei aller Pfaffen Reinigkeit, Bei Schwieger und Sohnes Einigkeit Und bei aller Ehebrecher Treu, Bei aller schwarzen Magd nach Reu, Bei aller Mönche Geistlichkeit, Bei aller Landsknecht Frömmigkeit, Und bei aller Spieler Unfall Und bei aller Juden Irrsal, Bei aller schönen Frauen Huld, Bei aller Beginnen Geduld, Bei aller Kaufleut wahrhaft Schwör'n: Du wollst von diesem Mann abkehr'n In ein Röhricht im Böhmerwald Und fahr'n bald aus durch diesen Spalt! | |
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Der Bauer (zuckt mit dem Arm, spricht) | |
| Pff! pff! pff! pff! ch! ch! ch! ch! | |
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(Der Pfaff wirft ihm die Stola an den Hals, zieht, schreit der Bäuerin zu, die faßt hinten am Pfaffen, sie ziehen ihn aus dem Korb und fallen alle drei auf einen Haufen. Der Bauer schreit) | |
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Was macht ihr hier? Euch Pockseuch' schänd' Und euch Roßhoden schänd' und blend'! Ihr bringt mich heut um Ehr und Gut, Daß ihr mich zieht von meiner Brut. Wie sehr ich mich verbarg dahinten, Vermeint, kein Mensch würd' mich da finden, Hat euch der Teufel bracht ins Haus. | |
| Der Pfaff | |
| Mein Hans, was wollst du brüten aus? | |
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Der Bauer (schreit, zeigt ihm einen Käse und spricht) | |
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Kälber! Seht's Wahrzeichen wohl, Der Käs, der steckt von Maden voll, Unten und oben, hinten und vorn; Das wären eitel Kälber worn, Hätt' ihr mich nit davon gerissen. | |
| Der Pfaff | |
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Hans, ich wollt' gern von dir wissen, Wer dich die Kunst gelehret hat. | |
| Der Bauer | |
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Furcht, Sorg' und Angst mich lehren tät, Welche ich hatt' zu meiner Frauen. | |
| Der Pfaff | |
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Sag' uns die Wahrheit, laß' uns schauen Wie sich solch' alles zugetragen. | |
| Der Bauer | |
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Die Sach' mag ich euch gerne sagen: Doch daß ich sicher vor dir sei! | |
| Die Bäuerin | |
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Ja, du sollst sein quitt, ledig, frei, Ich muß doch sein mit dir erschlagen. | |
| Der Bauer | |
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Ach, soll ich nit von Unglück sagen? Ich heut verschlief des Schultheiß' Blasen, Als ich das Vieh daheim gelassen, Schlug ich's ein Weil in unsern Garten. Und als ich wollt zum Essen warten, Weil Unglück selten kommt allein, Das Kalb fiel in den Brunnen nein. Als ich es fand darin ertrunken, Da war ich schier vor Leid versunken, Vor dir; und Angst, die packt mich nun, Da fiel mir ein, daß Gans und Huhn Auf Eiern brüten ich gesehn, So mußt's auch mit dem Käs' wohl gehn. Daß Kälber man möcht brüten draus; Die guten Käs' drum klaubt' ich aus, Hab' mich zum Brüten drauf gesetzt, Hätt't ihr mich nicht zuguterletzt Noch irr' gemacht in meiner Brut, Ich hätt' bekommen großes Gut. | |
| Die Bäuerin | |
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Du bist der allergrößte Narr, Den man hat in der ganzen Pfarr'. Geh' naus, hack' Holz, du fauler Tropf, Sonst kriegst du Dresche an den Kopf. Ich will dir's Kalb vom Hals noch schlagen. | |
| Der Pfaff | |
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Nein Gret', tät'st ihm Geleit zusagen, Dabei wirst du es lassen bleiben! | |
| Die Bäuerin | |
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Wollt ihr Gespött' noch mit mir treiben, Den großen Tölpel noch verteidigen, Der mich doch täglich tut beleidigen Mit ungerat'ner Arbeit viel? | |
| Der Bauer | |
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Herr, mischt euch nit in unser Spiel! Mein Weib tut euch das übelnehmen Und sich des Streit's mit euch nit schämen. | |
| Die Bäuerin | |
| Geh' hin, hack' Holz und halt dein Maul! | |
| Der Pfaff | |
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Du bist ein grober Ackergaul, Weil du so übel ihn anfährst. | |
| Der Bauer | |
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Mein lieber Herr, und wißt ihr's erst, Ihr Scheltwort ich noch gern vertrüg, Wenn sie mich nur nit rauft' und schlüg'. | |
| Der Pfaff | |
| Was muß ich, Grete, da erfahr'n? | |
| Die Bäuerin | |
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Ja, ich tu' ihm der Streich' nit spar'n, Wenn er mir etwa tut ein' Schaden. Sollt ich ihn halten da in Gnaden? Wenn schlechtes Wetter eingekehrt, Wird er als Laubfrosch eingesperrt. | |
| Der Pfaff | |
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Ei, Gret', du mußt ins Herz dich schamen, Du schändest aller Frauen Namen! Der Mann soll sein der Herr im Haus. | |
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Die Bäuerin (zuckt die Faust und spricht) | |
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Pfaff' schweig' und troll' dich bald hinaus! Du hast hier gar nichts mehr zu schaffen, Schwätzt müßig, wie oft tut ihr Pfaffen; Geh' heim, eh' ich dir geb' den Segen. | |
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Der Pfaff (wendet sich um und spricht) | |
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Ich geh' von dannen, Friedes wegen, Du find'st kein Hadermann an mir. Ich mein der Teufel steckt in dir, Ich glaub', Gret', ich muß dich beschwören. | |
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Die Bäuerin (eilt auf ihn zu und spricht) | |
| Komm', laß' einander uns beehr'n! | |
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Der Pfaff (läuft weg und spricht) | |
| Nein, nein, ich scheide dahin mit Wissen. | |
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Die Bäuerin (spricht zum Bauern) | |
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Der Teufel hat mich mit dir beschissen, Du loser Mann, in Hof 'naus lauf'! Haust du mir heut das Holz nit auf, Will ich dir nicht zu fressen geben. Du mußt mir noch ganz anders schwitzen, Und wenn der Pfaff dich tät beschützen! Lang mir her den gebrüt'en Käs'! Ich will dir'n schier in's Maul nein stoßen, Was hilft's, daß ich mich tu' erbosen, Dieweilen gar nichts hilft an dir, Den größten Schaden tu ich mir; Muß doch mit dir behangen sein, Geh' gleich ins Wirtshaus, hol uns Wein! Das Marktgeld wollen wir verzechen, Einträchtig sitzen, am Wein uns rächen Und vergessen allen Ungemachs. Glück bringt alles wieder, spricht Hans Sachs. | |