Bei diesen Gesinnungen, womit in größerm oder kleinerm Grade der Schwärmerei das ganze Volk zu Athen für mich eingenommen war, brauchte es nur eine Gelegenheit, um sie dahin zu bringen, die Gesetze selbst zu Gunsten ihres Lieblings zu überspringen. Diese zeigte sich, da Euböa und einige andre Insuln sich des ziemlich harten Joches, welches ihnen die Athenienser aufgelegt hatten, zu entledigen, einen Aufstand erregten, worin sie von den Spartanern heimlich unterstützt wurden. Man konnte (diejenige Theorie, welche man zu Hause erwerben kann, ausgenommen) des Kriegs-Wesens nicht unerfahrner sein, als ich es war. Ich hatte das Alter noch nicht erreicht, welches die Gesetze zu Bekleidung eines öffentlichen Amts erfoderten; wir hatten keinen Mangel an geschickten und geübten Kriegs-Leuten; ich selbst wandte alles Ansehen, das ich hatte, an, um einen davon, den ich, seines moralischen Charakters wegen, vorzüglich hoch schätzte, zum Feld-Herrn gegen die Empörten erwählen zu machen; aber das alles half nichts gegen die warme Einbildungs-Kraft des lebhaftesten und leichtsinnigsten Volks in der Welt. Agathon, welchem man alle Talente zutraute, und von welchem man sich berechtigt hielt, Wunder zu erwarten, war allein tauglich, die Ehre des Atheniensischen Namens zu behaupten, und die hochfliegenden Träume der politischen Müßiggänger zu Athen, welche bei diesem Anlaß in die Wette eiferten, wer die lächerlichsten Projekte machen könne, in die Würklichkeit zu setzen. Diese Art von Leuten war so geschäftig, daß es ihnen gelang, den größesten Teil ihrer Mitbürger mit ihrer Torheit anzustecken. Jede Nachricht, daß sich wieder eine andere Insul aufzulehnen anfange, verursachte eine allgemeine Freude; man würde es gerne gesehen haben, wenn das ganze Griechenland an dieser Sache Anteil genommen hätte; auch fehlte es nicht an Zeitungen, welche das Feuer größer machten, als es war, und endlich so gar den König von Persien in den Aufstand von Euböa verwickelten, um dem Agathon einen desto größern Schau-Platz zu geben, die Athenienser durch Heldentaten zu belustigen und durch Eroberungen zu bereichern. Ich wurde also (so sehr ich mich entgegensträubte) mit unumschränkter Gewalt über die Armee, über die Flotten, und über die Schatz-Kammer, zum Feld-Herrn gegen die abtrünnigen Insuln ernannt; und da ich nun einmal genötigt war, dem Eigensinn meiner Mitbürger nachzugeben, so entschloß ich mich, es mit einer guten Art zu tun, und die Sache von derjenigen Seite anzusehen, welche mir eine erwünschte Gelegenheit zu geben schien, den Anfang zur Ausführung meiner eigenen Entwürfe zu machen. Da ich wußte, daß die Insulaner gerechte Klagen gegen Athen zu führen hatten, und eine Regierung nicht lieben konnten, von der sie unterdrückt, ausgezogen, und mit Füßen getreten wurden; so gründete ich meinen ganzen Plan ihrer Beruhigung und Wiederbringung auf den Weg der Güte, auf Abstellung der Mißbräuche, wodurch sie erbittert worden waren, auf eine billige Mäßigung der Abgaben, welche man gegen ihre Freiheiten und über ihr Vermögen, von ihnen erpreßt hatte; und auf ihre Wiedereinsetzung in alle Rechte und Vorteile, deren sie sich als Griechen und als Bunds-Genossen, vermöge vieler besondern Verträge, zu erfreuen haben sollten. Allein ehe ich von Athen abreisen konnte, war es um so nötiger, die Gemüter vorzubereiten und auf einen Ton zu stimmen, der mit meinen Grund-Sätzen und Absichten übereinkäme, da ich sahe, wie lebhaft die ausschweifenden Projekte, womit die Eitelkeit des Alcibiades sie ehemals bezaubert hatte, bei dieser Gelegenheit wieder aufgewacht waren. Ich versammelte also das Volk, und wandte alle Kräfte der Rede-Kunst, welche bei keinem Volk der Welt so viel vermag, als bei den Atheniensern, dazu an, sie von der Gründlichkeit meiner Entwürfe zu überzeugen, von welchen ich sie so viel sehen ließ, als zu Erreichung meiner Absicht nötig war. Nachdem ich ihnen die Größe und den Flor, wozu die Republik, vermöge ihrer natürlichen Vorteile und innerlichen Stärke, gelangen könne, mit den reizendesten Farben abgemalt hatte; bemühte ich mich zu beweisen, daß weitläufige Eroberungen, außer der Gefahr, womit sie durch die Unbeständigkeit des Kriegs-Glücks verbunden seien, den Staat endlich notwendiger Weise unter der Last ihrer eigenen Größe erdrücken müßten; daß es einen weit sichern und kürzern Weg gebe, Athen zur Königin des Erdbodens zu machen, indem etwas unleugbares sei, daß allezeit diejenige Nation den Übrigen Gesetze vorschreiben werde, welche zu gleicher Zeit die klügste und die reichste sei; daß der Reichtum allezeit Macht gebe, so wie die Klugheit den rechten Gebrauch der Macht lehre; daß Athen in beidem allen andern Völkern überlegen sein werde, wenn sie auf der einen Seite fortfahre, die Pfleg-Mutter der Wissenschaften und aller nützlichen und schönen Künste zu sein; auf der andern aber alle ihre Gedanken darauf richte, sich in der Herrschaft über das Meer fest zu setzen; nicht in der Absicht Eroberungen zu machen, sondern sich in eine solche Achtung bei den Auswärtigen zu setzen, daß jedermann ihre Freundschaft suche, und niemand es wagen dürfe, ihren Unwillen zu reizen; daß für einen am Meer gelegenen Frei-Staat ein gutes Vernehmen mit allen übrigen Völkern, und eine so weit als nur möglich ausgebreitete Handlung, der natürliche und unfehlbare Weg sei, nach und nach zu einer Größe zu gelangen, deren Ziel nicht abzusehen sei; daß aber hiezu die Erhaltung seiner eigenen Freiheit, und zu dieser die Freiheit aller übrigen, sonderheitlich der benachbarten, oder wenigstens ihre Erhaltung bei ihrer alten und natürlichen Form und Verfassung, nötig sei; daß Bündnisse mit seinen Nachbarn, und eine solche Freundschaft, wobei der andere eben so wohl seinen Vorteil finde, als wir den unsrigen, einem solchen Staat weit mehr Macht, Ansehen und Einfluß auf die allgemeine Verfassung des politischen Systems der Welt geben müßten, als die Unterwerfung derselben, weil ein Freund allezeit mehr wert sei, als ein Sklave; daß die Gerechtigkeit der einzige Grund der Macht und Dauer eines Staats, so wie das einzige Band der Gesellschaft zwischen einzelnen Menschen und ganzen Nationen, sei; daß diese Gerechtigkeit fodre, eine jede politische Gesellschaft (sie möge groß oder klein sein) als unsers gleichen anzusehen, und ihr eben die Rechte zu zugestehen, welche wir für uns selbst foderten; daß ein nach diesen Grund-Sätzen eingerichtetes Betragen das gewisseste Mittel sei, sich ein allgemeines Zutrauen zu erwerben, und anstatt einer gewaltsamen, und mit allen Gefahren der Tyrannie verknüpften Oberherrschaft eine freiwillig eingestandene Autorität zu behaupten, welche in der Tat von allen Vorteilen der erstern begleitet sei, ohne die verhaßte Gestalt und schlimmen Folgen derselben zu haben. Nachdem ich alle diese Wahrheiten in ihrer besondern Anwendung auf Griechenland und Athen, in das stärkste Licht gesetzt, und bei dieser Gelegenheit die Torheit der Projekte des Alcibiades und andrer ehrsüchtiger Schwindelköpfe ausführlich erwiesen hatte: Bemühte ich mich darzutun, daß der Aufstand der Inseln, welche bisher unter dem Schutz der Athenienser gestanden, in neuerlichen Zeiten aber durch Schuld einiger böser Ratgeber der Republik, als unterworfene Sklaven behandelt worden seien, die glücklichste Gelegenheit anbiete, auf der einen Seite das ganze Griechenland von der gerechten und edelmütigen Denkungsart der Athenienser zu überzeugen, auf der andern durch eine ansehnliche Vermehrung der Seemacht, wovon die Unkosten durch die größere Sicherheit und Erweiterung der Handelschaft reichlich ersetzt würden, sich in ein solches Ansehen zu setzen, daß niemand jenes gelinde und großmütige Verfahren, mit dem mindesten Schein, einem Mangel an Vermögen sich Genugtuung zu verschaffen, werde beimessen können. Ich unterstützte diese Vorschläge mit allen den Gründen, welche auf die lebhafte Einbildungskraft meiner Zuhörer den stärksten Eindruck machen konnten, und hatte das Vergnügen, daß meine Rede mit einem Beifall, der meine Erwartung weit übertraf, aufgenommen wurde. Außerdem, daß die Athenienser, ihrer Gemütsart nach, sich von Wahrheit und gesunden Grundsätzen eben so leicht einnehmen ließen, als von den Blendwerken einer falschen Staatskunst, wenn ihnen jene nur in einem eben so reizenden Licht, und mit eben so lebhaften Farben vorgetragen wurden, als sie verwöhnt worden waren, von einem jeden, der zu den öffentlichen Angelegenheiten redete, zu fodern; so waren sie gleichgültig, durch was für Mittel Athen zu derjenigen Größe gelangen möge, welche das Ziel aller ihrer Wünsche war; und ein großer Teil der Bürger, denen der Friede mehr Vorteile brachte, als der Krieg, ließen sichs vielmehr wohlgefallen, daß dieses Ziel ihrer Eitelkeit auf eine mit ihrem Privatnutzen übereinstimmigere Art erhalten werde. Meine heimlichen Feinde, welche nicht zweifelten, daß diese Expedition auf eine oder andere Art Gelegenheit zu meinem Fall geben würde, waren weit entfernt, meinen Maßnehmungen öffentlich zu widerstehen; aber (wie ich in der Folge erfuhr) unter der Hand desto geschäftiger, ihren Erfolg zu hemmen, Schwierigkeiten aus Schwierigkeiten hervor zu spinnen, und die mißvergnügten Insulaner selbst durch geheime Aufstiftungen übermütig, und zu billigen Bedingungen abgeneigt zu machen. Die Verachtung, womit man anfangs diesen Aufstand zu Athen angesehen hatte; das ansteckende Beispiel, und die Ränke andrer Griechischen Städte, welche die Obermacht der Athenienser mit eifersüchtigen Augen ansahen, hatten zu wege gebracht, daß indessen auch die Attischen Kolonien, und der größeste Teil der Bundesgenossen kühn genug worden waren, sich einer Unabhänglichkeit anzumaßen, deren schädliche Folgen sie sich selbst unter dem reizenden Namen der Freiheit verbargen; es war die höchste Zeit, einer allgemeinen Empörung und Zusammenverschwörung gegen Athen zuvorzukommen; und meine Landsleute, welche bei Annäherung einer Gefahr, die ihnen in der Ferne nur Stoff zu witzigen Einfällen und Gassenliedern gegeben hatte, sehr schnell von der leichtsinnigsten Gleichgültigkeit zu einer eben so übermäßigen Kleinmütigkeit übergingen, vergrößerten sich selbst das Übel so sehr, daß ich genötiget wurde unter Segel zu gehen, ehe die Zurüstungen noch zur Hälfte fertig waren. Ich hatte die Vorsichtigkeit gebraucht, meinen Freund, über welchen mir die Gunst des Volks einen so unbilligen Vorzug gegeben hatte, als meinen Unterbefehlshaber mitzunehmen; die Bescheidenheit, womit ich mich des Ansehens, welches mir meine Kommission über ihn gab, bediente, kam einer Eifersucht zuvor, die den Erfolg unsrer Unternehmung hätte vereiteln können; wir handelten aufrichtig, und ohne Nebenabsichten, nach einem gemeinschaftlich abgeredeten Plan, und das Glück begünstigte uns so sehr, daß in einer einzigen Expedition alle Inseln, Kolonien und Schutzverwandte der Athenienser nicht nur beruhiget, und wieder in die alte Schranken gesetzt, sondern durch die Abstellung alles dessen, wodurch sie unbilliger Weise beschweret worden waren, und durch die Bestätigung ihrer Freiheiten, die ich ihnen bewilligte, mehr als jemals geneigt gemacht wurden, die Freundschaft der Athenienser allen andern Verbindungen, die ihnen angetragen worden waren, vorzuziehen. In allem diesem folgte ich, ohne besondere Verhaltungsbefehle einzuholen, meiner eignen Denkungsart mit desto größter Zuversicht, da ich den ehemaligen Mißvergnügten nichts zugestanden hatte, was sie nicht so wohl nach dem Naturrecht als in Kraft älterer Verträge zu fodern vollkommen berechtiget waren, hingegen durch diese Nachgiebigkeit neue und sehr beträchtliche Vorteile für die Athenienser erkaufte; Vorteile, welche dem ganzen gemeinen Wesen zuflossen, da hingegen aller Nutzen der Unterdrückung, worunter sie geseufzet hatten, lediglich in die Kassen einiger Privatleute und ehmaligen Günstlinge des Volks geleitet worden war.
Ich kehrete also mit dem Vergnügen, Gutes getan zu haben, mit dem Beifall und der lebhaftesten Zuneigung der sämtlichen Kolonien und Bundesgenossen, und mit der vollen Zuversicht, daß ich die Belohnung, die ich verdient zu haben glaubte, in der Zufriedenheit meiner Mitbürger einernten würde, an der Spitze einer dreimal stärkern Flotte, als womit ich ausgelaufen war, nach Athen zurück. Ich schmeichelte mir, daß ich mir durch eine so schleunige Beilegung einer Unruhe, welche so weitaussehend und gefährlich geschienen, einiges Verdienst um mein Vaterland erworben hätte. Ich hatte aus unsern Feinden, Freunde, und aus unsichern Untertanen, zuverlässige Bundesgenossen gemacht, deren Treu desto weniger zweifelhaft sein mußte, da ich ihre Sicherheit und ihren Wohlstand durch unzertrennliche Bande mit dem Interesse von Athen verknüpft hatte; ich hatte, des gemeinen Schatzes zu schonen, mein eignes Vermögen zugesetzt, und durch mehr als hundert ausgerüstete Galeeren, die ich von dem guten Willen der wieder beruhigten Insulaner erhalten, unsrer Seemacht eine ansehnliche Verstärkung gegeben; ich hatte das Ansehen der Athenienser befestiget, ihre Neider abgeschreckt, und ihrer Handlung einen Ruhestand verschafft, dessen Fortdauer nunmehr, wenigstens auf lange Zeiten, von ihrem eigenen Betragen abhing. Das Vergnügen, welches sich über mein Gemüt ausbreitete, wenn ich alle diese Vorteile meiner Verrichtung überdachte, war so lebhaft, daß ich über alle andere Belohnungen, außer dem Beifall und Zutrauen meiner Mitbürger, weit hinaus sah: Aber die Athenienser waren, in dem ersten Anstoß ihrer Erkenntlichkeit, keine Leute, welche Maß halten konnten. Ich wurde im Triumph eingeholt, und mit allen Arten der Ehrenbezeugungen in die Wette überhäuft; die Bildhauer mußten sich Tag und Nacht an meinen Statuen müde arbeiten; alle Tempel, alle öffentlichen Plätze und Hallen wurden mit Denkmälern meines Ruhms ausgeziert; und diejenige, welche in der Folge mit der größesten Heftigkeit an meinem Verderben arbeiteten, waren itzt die eifrigsten, übermäßige und zuvor nie erhörte Belohnungen vorzuschlagen, welche das Volk in dem Feuer seiner schwärmerischen Zuneigung gutherziger Weise bewilligte, ohne daran zu denken, daß mir diese Ausschweifungen seiner Hochachtung in kurzem von ihm selbst zu eben so vielen Verbrechen gemacht werden würden.
Da ich sahe, daß alle meine Bescheidenheit nicht zureichend war, dem überfließenden Strom der popularen Dankbarkeit Einhalt zu tun; so glaubte ich am besten zu tun, wenn ich mich eine Zeitlang von Athen entfernte, und bis die Atheniensische Lebhaftigkeit durch irgend eine neue Komödie, einen fremden Gaukler, oder eine frisch angekommene Tänzerin einen andern Schwung bekommen haben würde, auf meinem Landgut zu Corinth in Gesellschaft der Musen und Grazien einer Muße zu genießen, welche ich durch die Arbeiten eines ganzen Jahres verdient zu haben glaubte. Ich dachte wenig daran, daß ich in einer Stadt, deren Liebling ich zu sein schien, Feinde habe, die indessen, daß ich mich mit aller Sorglosigkeit der Unschuld den Vergnügungen des Landlebens, und der geselligen Freiheit überließ, einen eben so boshaften als wohlausgesonnenen Plan zu meinem Untergang anzulegen beschäftiget seien.
Alles, womit ich mir bei der schärfsten Prüfung meines öffentlichen und Privatlebens in Athen, bewußt bin, mein Unglück, wo nicht verdient, doch befödert zu haben, ist Unvorsichtigkeit, oder der Mangel an einer gewissen Republikanischen Klugheit, welche nur die Erfahrung geben kann. Ich lebte nach meinem Geschmack, und nach meinem Herzen, weil ich gewiß wußte, daß beide gut waren, ohne daran zu denken, daß man mir andre Absichten bei meinen Handlungen andichten könne, als ich wirklich hatte. Ich lebte mit einer gewissen Pracht, weil ich das Schöne liebte, und Vermögen hatte; ich tat jedermann gutes, weil ich meinem Herzen dadurch ein Vergnügen verschaffte, welches ich allen andern Freuden vorzog; ich beschäftigte mich mit dem gemeinen Besten der Republik, weil ich dazu geboren war, weil ich eine Tüchtigkeit dazu in mir fühlte, und weil ich durch die Zuneigung meiner Mitbürger in den Stand gesetzt zu werden hoffte, meinem Vaterland und der Welt nützlich zu sein. Ich hatte keine andere Absichten, und würde mir eher haben träumen lassen, daß man mich beschuldigen werde, nach der Krone des Königs von Persien, als nach der Unterdrückung meines Vaterlands zu streben. Da ich mir bewußt war niemands Haß verdient zu haben, so hielt ich einen jeden für meinen Freund, der sich dafür ausgab, um so mehr, als kaum jemand in Athen war, dem ich nicht Dienste geleistet hatte. Aus eben diesem Grunde dachte ich gleich wenig daran, wie ich mir einen Anhang mache, als wie ich die geheimen Anschläge von Feinden, welche mir unsichtbar waren, vereiteln wolle. Denn ich glaubte nicht, daß die Freimütigkeit, womit ich, ohne Galle oder Übermut, meine Meinung bei jeder Gelegenheit sagte, eine Ursache sein könne, mir Feinde zu machen. Mit einem Wort, ich wußte noch nicht, daß Tugend, Verdienste und Wohltaten gerade dasjenige sind, wodurch man gewisse Leute zu dem tödlichsten Haß erbittern kann. Eine traurige Erfahrung konnte mir allein zu dieser Einsicht verhelfen; und es ist billig, daß ich sie wert halte, da sie mir nicht weniger, als mein Vaterland, die Liebe meiner Mitbürger, meine schönsten Hoffnungen, und das glückselige Vermögen, vielen Gutes zu tun, und von niemand abzuhängen, gekostet hat.«