(Ein Saal.)
Guelfo. Grimaldi.
Guelfo. Ist Dirs wieder besser, Grimaldi?
Grimaldi. Wenn mirs am Körper fehlte, lieber Guelfo, scheut' ich keine Feuerkur. Ablösen wollt' ich mir das Glied lassen, wo michs schmerzte, und verstümmelt standhaft leben. Aber, Guelfo, tief und peinlich und auch wonniglich liegts in meiner Seele. Einen gebeugten von Menschen gekränkten Geist, ein verwundetes Herz mit sich herumzuschleppen, und so täglich dem öden Grabe mit gesenktem Haupte zuzuwallen Sieh, Bruder! ich falle vom Fleisch, schmachte, seh bleich und dieser morsche Körper blühte einst in lieblicher Jugend, ward bestaunt, geliebt. Trat ich auf, Guelfo, zischelten sich die Mädels in die Ohren, webten mit Blicken und Bewegungen Ketten und Netze, den Grimaldi zu bestricken. Das war Gedräng, Zunicken, Fächerrauschen und Anhängen. Wie viele Uneinigkeiten und kleine Zänkereyen verursachte ich nicht unter Schwestern, Liebenden und Herzensfreundinnen! Wenn ich eine mit Wärme und mehrerer Theilnehmung ansah, stellte sich schnell ihre Nachbarinn in Riß, und stahl wenigstens den Blick auf die Hälfte, den ich Höflichkeits wegen nicht kalt zurückziehen konnte. Ja ja!
Guelfo. Red' nur fort, Grimaldi; ich kann hören, und das denken Ich seh' nur nach der Strasse, um meinen Bruder mit den Hengsten im Pomp anfahren zu sehn. Nu?
Grimaldi. Wie das nun all liegt, Jugend und Vermögen! Ich senke meine Arme, senke mein Haupt gefallen bin ich, der rasche Grimaldi! Und da ich fiel, durch Neid und Verfolgung von Schwachen, floh Schnellkraft, Zuversicht und Festigkeit. Ich zog mich ganz in mich in mein Trauren. Das gesellschaftliche Leben unter Menschen, alle heitere Empfindungen, alle Theilnehmung an meinem und andrer Geschick, alle Sinne verwandelten sich in meiner gedrückten Brust in Haß und Widerwillen. Ich schwirre nun in Trauergedanken, fühl mich vergehen, fühl mich gerne vergehen Denn was ist das Leben, mein lieber Guelfo, wenn einem das genommen ist, was einem Leben giebt, wenn einem noch dazu der Weg verlegt ist, den zu gehen man gemacht ist?
Guelfo. Man räumts weg, Grimaldi!
Grimaldi. Denn muß man auch das vorige Gefühl wieder in sich sammlen können. Aber, Guelfo, wenn das nun all niedergerissen ist, was uns damals trieb, wie den jungen Adler, der seine Schwingen stark fühlt, den Weg zur Sonne zu schweben wenn das nun nicht mehr aufzuwecken ist Lieber Guelfo, ich schein' mir dem geblendeten Adler zu gleichen, der sein Leben in den Felsen austrauert. Was hülfe mirs nun auch, wenn ich mich wieder aufzutreiben suchte, einige Schritte taumelte, und mich doch nicht an der Sonne erquicken könnte, worauf es ankömmt!
Guelfo. Das kömmt all wieder. Man findt sich, und das andre findt sich auch. (unverwandt durchs Fenster nach der Strasse)
Grimaldi. Ja, es kam einstens ein Sonnenblick! Guelfo, Du weißt doch auch, wer kam, und mir die Nacht vors goldne Strählchen feindlich stellte, daß ich weiter nichts erblickte, als Haß und bösen Genius in mir? War das Erquickung für mein Herz, als mir die Lichtgestalt erschien! Ich hatt' ein Liedchen, das ich damals oft sang
Guelfo. Sing, Grimaldi.
Grimaldi. (singt)
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Heiter kehrest du, o Licht! Und ein helles Strählchen bricht Aus der dumpfen Nacht hervor, Hebt mein leidend Herz empor.
Es erschien ein Engelskind,
Selig, selig werd ich seyn,
Glänze ferner durch die Nacht, |
O Guelfo, Guelfo! was waren das Stunden!
Guelfo. Und nun?
Grimaldi. Guelfo, da wollte der schlafende Genius wieder aufwachen, wollte mich beleben, und ich ward angespornt träumte glühende Träume, wie ich nun mit Riesenschritten gehen wollte als ein edler Kerl! Guelfo, ich ward auf die Wagschaale gelegt, mein Adel zu leicht befunden; mein Werth fiel tief, Guelfo! Die süssen Augenblicke, die ich lebte, die mich zu allem gemacht hätten! Ward ich nicht in Finsterniß zurückgestossen, worinn ich noch immer tappe?
Guelfo. Du hast Recht, Grimaldi. Du warst damals in einem Gang, gingst so schnell nach dem Ziel, daß ich Dir mit Wunder zusah.
Grimaldi. Drum stieß mich Vetter Ferdinando unter; der alte Guelfo hätt' sich des Grimaldi erbarmt. O der Seligkeit der Stunden! o der Seligkeit des Grimaldis! o der Verdammung des Grimaldis, die nun um ihn liegt!
Guelfo. Armer Narr! Hätts an mir gelegen, Du hättst sie haben sollen. Ich hatte Dich auch gewogen, Grimaldi! aber ich fand Dich bewährt. Was nutzte mein Reden all?
Grimaldi. Ich dank' Dir noch, mein lieber Bruder. Ich will Dich immer so nennen, und nach Othen schnappen, wenn ichs denk', und Dich an meine Brust drücke. (umarmt ihn) O wenn ichs worden wär'! und wenn ichs worden wär' ist sie nicht todt?
Guelfo. Das herrliche Mädchen!
Grimaldi. Sie starb, sie starb! und da sie starb, starb Grimaldi! Alle Hoffnung und Leben entquoll meinem Herzen mit den blutigen Thränen. Bruder! Dir darf ichs sagen, daß mir jede Nacht ihre blasse Todtengestalt erscheint, daß ich sie so kalt in meine Arme festdrücke, daß sie mir winkt, und daß sie mich nach sich zieht. O Juliette! Juliette!
Guelfo. Geh doch! laß mich!
Grimaldi. Fühlt' ich ihren Tod nicht so scharf! und würd' ihn schärfer fühlen Hab dich Gott, meine Liebe! Grimaldi wallt dir eine düstre Wallfahrt nach. Und gewiß wärst du noch hier; denn ich wollte dich gepflegt haben, wollte dich getragen haben, auf den Fittigen der erquickenden Liebe! O Juliette, du wärst noch unter uns!
Guelfo. Ich bitt' Dich, Grimaldi, wieg mich nicht in diesen schwermüthigen Ton. Ich brauch Stärke; und bin ich nicht im nemlichen Fall?
Grimaldi. Armer Guelfo!
Guelfo. Wär' Kamilla nicht mein worden, und ich hätt' in den Armen der Liebe den Löwen Guelfo abgelegt? wär' still und friedlich geworden? Sie hatte Guelfos ganze Seele.
Grimaldi. Du sagtests ihr?
Guelfo. Nein! nicht! Ich Bestohlner, der ich nichts als meinen Degen habe!
Grimaldi. Und er hat sie nun, da er mit den schweren Titeln kam, mit den reichen Goldsäcken, von Herzogs Glanz geführt! Da bückte sich die Liebe ha! und bückte sich unter, und der tapfere Guelfo schwand aus ihrem Herzen. Sterben will ich, ohne an Juliette zu denken, wenn er nicht Deine Liebe wußte.
Guelfo. Mag er! er hat sich weh mit gethan; denn fordern will ich auch das von ihm im Grimm. Himmel und Erde! wenn ich der Wonne denk', in der ich schwebte, ihre Gestalt vor mir seh mit aller Glorie der Schönheit! Grimaldi, das war ein Leben! das waren Zückungen! Ich kann Dich versichern, ich allein kann das Weib an ihr finden, das an ihr ist, das Weib des tapferen Ritters, dem sie Siegskronen mit Liebe windet, kömmt er vom Feinde. Ihm ist sie nichts. Ich konnte den Schleyer heben, und im Heiligthum der innern Schönheit ihrer Seele lesen. Ha! wie ich einst nach der Schlacht ihrem Schlosse zujagte, mit Blut der Feinde bespritzt! Sie lächelte himmlisch von dem Balcon herunter, warf mir ein weisses Tuch zu, rief: Ritter, wisch das Blut weg! Du schreckst meine Gespielen. Und ich thats mit dem Tuch, legte es auf mein Herz siehst Du's! hier heilte es, und that gut.
Grimaldi. Und das Weib hat er?
Guelfo. Und das Weib hat er!
Grimaldi. Vor Deinen Augen seine Seligkeit, vor Deinen Augen die herrliche Gestalt, vor Deinen Augen den Himmel! Hölle in mir und Dir! Bruder, laß uns Einsiedler werden, laß uns der Welt absagen, und uns treu sterben! Wie kann ichs, wie kannst Du's ansehen? Eine härne Kutte wär des armen Grimaldis Sache.
Guelfo. Guelfos eine stählerne Keule, zu zerbrechen damit das Haupt
Grimaldi. Gebär den Gedanken nicht! Ha! dort kommen sie gefahren!
Guelfo. Will kein Donner nieder? will kein Donner nieder, die springenden räumenden Hengste zu lähmen? Ha! wie die Pferde ausgreifen! was das hebt! Sieh' den Herrn im rothen Kleide mit Gold, wie Herzoglich prächtig! Will kein Donner nieder? Siehst Du sie? O Grimaldi, im weissen Kleide! Sie sieht heraus, streckt ihre Hand heraus, und wirft dem Bettler was zu die Chaise wendet wieder der Stern auf seiner Brust, wie er blinkt! Sie! Teufel! Teufel!
Grimaldi. (unverwandt zum Fenster hinaus) Wirfst Du Seifenblasen hinaus? Sie zerplatzen, eh' sie niederkommen, armer Narr!
Guelfo. Grimaldi! Grimaldi! Laß mich was thun! Ich will eine Pistole losschiessen ich muß so was hören! Mein Herz heischts!
Grimaldi. In die Luft doch?
Guelfo. Heyda! Wart! nach der Wasserseite (schießt zum andern Fenster hinaus) Hi! Hi!
Grimaldi. Rasch in Hof! Eins, zwey sechs Diener nur vier Läufer nur zwey Heyducken nur Es ist wenig und genug für einen Herzog.
Guelfo. (kniet nieder, spricht in sich und springt auf) Ausgesprochen, und geschehn! Fest in meinem Blut sitzts! sausts an den Wänden her, und kräuselt sichs in der Luft! Bey Guelfos Herz! es soll nicht zergehen, wie Grimaldis Seifenblasen.
Grimaldi. Was treibst Du hinter mir?
Guelfo. Frag' nicht! Was ich thu, thu ich!
Grimaldi. Sie steigen aus Vater Mutter
Guelfo. Kos't ihn, liebt ihn, springt um ihn herum! So! drückt ihn noch fester ans Herz, und weint! Fluch mir! Fluch mir! Bey der Geburt bestohlen! Nun dann, bettelarm heute! Brav, Ferdinando! Wollte Gott, du machtest deine Sache anders; aber so wieder? hu!
Grimaldi. Das ist närrisch. Sieh, dort im Teich, wie der Mensch den Fisch angelt. Er zuckt sehr, zuckt sich los, fällt aufs Ufer, er hascht ihn
Guelfo. Und er küßt sie! Ha! vor meinen Augen! denk! vor meinen Augen! saß so lang bey ihr, hat sie so lang, wird sie haben, und vor meinen Augen! Grimaldi, will er mich umbringen?
Grimaldi. Wie der Kerl den Fisch zappeln ließ! Pfui!
Guelfo. Und wie ich zapple! Mit den Küssen angeln sie meine Seele, und ich blute. Kamilla! Kamilla! Ich häng' an der Angel, zucke mich zu Tode! Sie sieht nach ihm, und Liebe zittert auf ihren Lippen sieht herauf was denn? Kamilla, was denn? O weh mir!
Grimaldi. Sie kommen herauf Willst Du sie erwarten?
Guelfo. An der Angel den Tod zu zappeln? (beyde ab.)
Alter Guelfo. Amalia. Ferdinando. Kamilla.
Ferdinando. Nun ist mir ganz wohl, da ich wieder hier im Hause des Vaters bin. Mich kam eine wunderbare Empfindung an, da ich so den Hegwald herunter fuhr. Aber da ich in Guelfos Hause bin, jedes Bildchen seh, jeden Gegenstand erkenne, des Vaters Liebe fühl', ist mir ganz leicht.
Kamilla. Du hast mich sehr erschreckt, lieber Ferdinando. Du wardst so bleich Guelfo, er saß auf einmal so still, und zitterte, ich konnt' ihn kaum zu sich bringen. Komm, Ferdinando! Deine Stirne ist noch heiß er schwitzte Angstschweiß, Vater! Lieber Ferdinando!
Amalia. Sohn! Lieber! Mach mir nicht angst!
Alter Guelfo. Es kömmt vom Fahren. Es ist heute sehr heiß gewesen.
Kamilla. Nein! Ihm fehlt was
Ferdinando. Es ist nun wieder vorüber. Es ist närrisch! Kamilla, ich wollte Dirs nicht gleich sagen, aber itzt lach' ich selbst drüber. Guelfo, als wir an die Eichen kamen, sah ich in der Ferne meine Gestalt aufsteigen, daß ich mich kannte, und wildes Geräusch schreckte mein Ohr.
Amalia. Deine Gestalt, Ferdinando?
Ferdinando. Lebendig! Meine Sinne können mich betrogen haben; ich vergeß' es schon wieder.
Alter Guelfo. Einbildung, Ferdinando! nichts als Einbildung!
Ferdinando. So nehm' ichs auch. Mir ists nur leid, daß ich meine Kamilla erschreckte. Es ist vorüber, und war vorüber, da Du mir mit der Hand über die Stirne fuhrst, und riefst. Ich wachte auf, wie aus einem Schrecktraum, und schien mir in Himmel über zu gehn. Nun, Vater? Nicht so ernsthaft! Küssen Sie Ihren Sohn noch einmal! Meine Mutter! Laßt mich glücklich seyn! Alles will ichs machen, und alles wird michs machen! Meine Kamilla hat Ihnen ihr Herz geschenkt, da sie mirs gab; und ihr Blick giebt Ihnen die Versicherung. O wir werden ein Leben führen
Amalia. Mein lieber Ferdinando! Ja! wir werden nun recht freudig seyn zusammen.
Ferdinando. O Mutter, Sie sinds! Diese wenige Worte Sehen Sie mich fort so an!
Alter Guelfo. Ruh aus, mein Sohn, Du überläßt Dich zu sehr dem Gefühl! Ruh aus!
Kamilla. Ich zählte alle Stunden, fragte jeden Augenblick: Wie weit sind wir noch, Ferdinando? so begierig war ich, den alten Guelfo wieder einmal zu sehen, und meines Ferdinandos Mutter. Und Ferdinando war gütig, erzählte mir viel von Ihnen, von der herrlichen Gegend, und alles find ich so. Es ist ein lieblicher Sitz, sagt er, beym Vater. Und gewiß ists ein lieblicher Sitz. Eine Gegend, so schön, als eine in Italien. O so die Tiber hinunter zu sehen, von der Sonne vergoldet, den süssen Gesang der Vögel und den Guelfo, die Mutter, meinen Ferdinando Guelfo, wir wollen der Liebe und Freude leben! (küßt der Alten Hände, Amalia küßt sie)
Alter Guelfo. Sie machen mich mein Alter vergessen. Alles vergnügt, verjüngt mich, was ich seh' und höre. Ihr Kinder bestürmt des alten Guelfos Herz mit zu viel Liebe; er ist ihrer so wenig gewohnt, daß es ihm Traum scheint. Zwar, wenn Ferdinando da ist, da leb ich immer so im Taumel; denn Ferdinando weiß mit Liebe des Alten Herz warm zu halten. Ferdinando! Ferdinando! Gepriesen sey Gott, daß ich Dich wieder einmal in meinen Armen halten kann! daß ich die Wonne fühle, das treue Kind fest an mich zu drücken! Laß Dich recht drücken, Guelfos Zierde!
Ferdinando. Mich nicht allein, mein Vater.
Alter Guelfo. Ha! Dich allein! Dich allein! Bist Du's nicht allein, der dem Vater gütlich thut? der des Vaters Wohlthat ist? der des Guelfos Haus erhebt, daß die Feinde vor Neid vergehen? Ja! sie werden sich verzehren in Marter, unser Haus so mächtig zu sehn. Ferdinando, Segen über Dich! Daß Du hoch empor wachsest im Lande! Kamilla, seyn Sie nicht so bewegt! Ruhen Sie! Wir wollen Euch zusehn; Ihr seyd müd', und ich möcht' Euch zusammen sitzen sehn.
Amalia. Guelfo! vergiß nicht, ich bitte Dich! (ab)
Alter Guelfo. Ferdinando, wärst Du nicht, ich legte mich hin, und stürbe; denn Guelfo wird sehr geärgert in seinen alten Tagen. Aber nun will ich leben; meine grauen Haare sollen sich weiß färben, und meine Jahre hoch steigen, von Dir geleitet. Ich muß es erleben, was aus meinem Ferdinando wird. Jüngst war so ein Hofschranze hier, der erzählte Wunderdinge (und mochte ihn wohl heimlich hetzen) was man aus Dir so grosse Dinge machte wie schon alle grosse Häuser aufmerksam würden daß Du des Herzogs rechter Arm wärst Ha! dacht' ich bey mir seht nur auf Guelfos Stamm er soll bald Herzog seyn.
Ferdinando. Gnügsamkeit! Nicht zu hoch gespannt, Vater, daß die Sehne nicht springt! Es ist noch Zeit genug; und ich könnte tiefer fallen, je höher.
Alter Guelfo. Das wollt ich sehn, ich! Was Gnügsamkeit! Man muß steigen, so hoch man kann! war immer mein Denken. Und da ich mich so weit im Gleichgewicht hielt, Euch so weit vorgearbeitet hab Also red' mir nicht!
Kamilla. Werden Sie nicht zu ernsthaft!
Alter Guelfo. Verzeihen Sie mir!
Kamilla. Nicht doch, Vater! Reden Sie, was Sie wollen, was Ihnen gut thut.
Alter Guelfo. Das ist freundlich, Tochter! Gott erhalt Dich mir!
Ferdinando. Wo ist denn mein Bruder? Ich seh lang nach ihm. Wo ist er?
Kamilla. Ich dachte, er würde der erste seyn, der uns entgegen käme.
Alter Guelfo. Ja doch, er! Ich seh' ihn manchmal in einem Monat nicht, den wilden Guelfo. Ferdinando, er wird immer unbändiger, stolzer. Rachgierig ist er; stößt mich und seine Mutter ins Grab im blinden Zorn. Er brennt, wie Feuer, wenn wir ihn berühren. Ich bin zu alt, den Sohn Guelfo zu bändigen. Ich muß zittern für ihn. Heute hab' ich ihn einmal wieder gesehen, und fast brach er mir das Herz. Er liegt immer im Walde, badet seine Hände in der armen Thiere Blut. Kömmt er einmal, vergräbt er sich, und weh, der sich ihm naht!
Ferdinando. Vater, ich sagte immer, man muß Guelfo mit Liebe und Nachgeben begegnen, will man ihn gut haben.
Alter Guelfo. Und thu ichs nicht? und muß ichs thun, ich sein Vater? Doch thu ichs, halt' ihn sanft, wie Du Deine Braut. Meine Amalia thuts auch. Ich fürcht', unser Streicheln macht den Wilden unbändiger.
Kamilla. Der Ritter hat ein edles Herz.
Ferdinando. Das hat er, Kamilla. Vater, lassen Sie ihm seine Unbändigkeit, all sein Wesen; wenns Krieg giebt, braus't er aus. Ich will ihn mit meiner Liebe zwingen, mir hold zu seyn.
Alter Guelfo. Ich kenn' ihn auch, und mag nicht reden. Ich wollte, mein Herz hing nicht so an ihm.
Kamilla. Es muß an ihm hängen; der Ritter verdients.
Ferdinando. Er ist die Zierde Ihres Hauses, ein Schrecken der Feinde.
Alter Guelfo. Das ist wahr. Nun wir wollen ihn mild zu machen suchen. Kamilla hat eine liebliche Stimme, und singt in die Laute. Wir wollen täglich harmonische Musik machen, und ihn zähmen. Ich wollt', er hing dem Grimaldi nicht so an, der macht ihn traurig dazu mit seiner Melancholie; das verdirbt ihn völlig. Grimaldi ist ein düstrer Mensch, der Nachts im Feld läuft, bey Sturm und Wind, und zu den Sternen ruft. Der Kirchhof soll sein liebster Aufenthalt seyn. Ich selbst fand ihn einstens durch die öde Nacht weinen, daß ich erschrack. Das ist Guelfos Gesellschaft.